Es muss einen Weg geben

Ich habe mich verliebt. Und dann hatte ich auch noch Glück. Sie liebt mich auch. Wir sind ein Paar. Wir wollen heiraten, Kinder kriegen und so richtig spießig leben. Vielleicht wollen wir irgendwann auch ganz spießig Passat fahren und eine Doppelhaushälfte bewohnen. Doch im Moment steht unserem Glück noch etwas im Weg: Ich arbeite bei der katholischen Kirche und bin lesbisch.

Meine akademische Ausbildung qualifiziert mich dafür, für die Kirche zu arbeiten. Das ist toll. Wenn man für die Kirche arbeiten möchte. Wenn nicht, dann ist das schrecklich, denn Bibel-, Latein-, Altgriechisch- und Hebräischkenntnisse sind auf dem Arbeitsmarkt genauso gefragt wie Häkelaffinität. Es war ziemlich dumm von mir, katholische Theologie zu studieren. Zu Beginn meines Studiums hatte ich mir jedoch noch nicht eingestanden, dass ich nicht auf Männer stehe, sondern mit der Eigenschaft, eine Frau zu lieben ausgestattet wurde.

Würde ich meine Freundin jetzt heiraten und mit ihr eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, so würde mein Arbeitgeber mich entlassen. So will es das kirchliche Arbeitsrecht. Eine glückliche Partnerschaft kann man selbstverständlich auch ohne standesamtlichen Stempel führen. Will man aber zusammen Kinder großziehen, so muss man “verheiratet” sein, damit eine Stiefkindadoption möglich ist. Das ist unser Ziel. Und weil jede von uns ein Kind bekommen möchte, fühlt sich meine Situation derzeit an wie ein Gefängnis.

In diesem Blog berichte ich über meine Erfahrungen und meinen Ausbruch aus diesem Gefängnis.